Neue Mälzerei – Friedenstr. 91, 10249 Berlin, Germany

Historie

Die Geschichte der Neuen Mälzerei – Von Berlins ehemals größtem Brauereibetrieb bis zur Eventlocation für Seminare und Co

Vor 100 Jahren war richtig was los zwischen der Friedenstraße und der Landsberger Allee in Berlin Friedrichshain. Auf dem 3.000 m² großem Gelände der Brauerei Böhmisches Brauhaus wurde zu Hochzeiten das meiste Bier für Berlin produziert. Heute ist von der Brauerei noch die Neue Mälzerei übrig – ein perfekt restauriertes Beispiel Berliner Industriegeschichte – deren EG und 5. Etage heute als Eventlocation zum Beispiel für Seminare genutzt werden.
Das Böhmische Brauhaus

Das denkmalgeschützte Gebäude der mechanisch-pneumatischen Mälzerei gehörte zur Brauerei Böhmisches Brauhaus und wurde 1898/99 nach Plänen von Arthur Rohmer erbaut. Wie schon in der Aktienbrauerei Friedrichshöhe, verwandte Rohmer neoromanische Formen bei der Wand- und Fenstergestaltung.

1868 hatte Armand Knoblauch das Böhmische Brauhaus nach dem Vorbild eines böhmischen Musterbetriebes mit dem Ziel gegründet, ein helles edelhopfiges Bier herzustellen. Das ansteigende Gelände zwischen Landsberger Allee und Friedenstraße mit einem Höhenunterschied bis zu 10 m ermöglichte den Bau von drei miteinander verbundenen zwei- und dreigeschossigen Lagerkellern. Zum Brauhaus gehörte außerdem die Restauration „Elysium“ mit Festsälen und Biergarten für ca. 2.000 Gäste.

Das Böhmische Brauhaus bewerkstelligte einen beispiellosen Aufstieg: Bis 1874 konnte die Brauerei ihren Absatz auf 136.000 Hektoliter steigern. Damit stand das Böhmische Brauhaus an der Spitze der Berliner Brauereien. 1883 wurde die erste Eismaschine von Linde aufgestellt, 1898 das erste Daimler Bierauto in Berlin eingesetzt. Im gleichen Jahr erfolgte der Bau der Neuen Mälzerei. 1908 entstand mittels Preisausschreiben der Markenname „Pilsator“.

1910 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und nach dem Ersten Weltkrieg die Fusion mit der Löwenbrauerei zur Löwenbrauerei-Böhmisches Brauhaus AG. 1938 war die Produktion auf 420.000 Hektoliter angestiegen.

Bei Kriegsende 1945 waren die Baulichkeiten der Brauerei weitgehend zerstört bzw. beschädigt. Die Bierproduktion wurde an diesem Standort nicht wieder aufgenommen. Von 1952 bis 1992 diente das Gelände als Berliner Weingroßkellerei und war das größte Weinlager der DDR. Das Gebäude der ehemaligen Mälzerei wurde unter anderem vom Großhandelskontor Schuhe als Lagerfläche genutzt, das alte Sudhaus diente bis 2001 als Turnhalle. Neben verschiedenen Werkstätten und Lagerflächen entstand auf dem Brauereigelände Anfang der 70er Jahre ein Umspannwerk.

Die Geschichte des Böhmischen Brauhauses wurde im Westteil von Berlin noch drei Jahrzehnte fortgeschrieben: Nach der Enteignung der in Ostberlin gelegenen Braustätten wurde der Betrieb in die 1926 übernommene Bergschloss-Brauerei AG in West-Berlin verlegt. 1978 übernahm die Schultheiss Brauerei AG die Löwenbrauerei-Böhmisches Brauhaus AG. 1980 ging sie in der Dortmunder Union-Schultheiss Brauerei AG auf.